Die Philippus-Kirche in Berlin-Friedenau ist eine von zwei Kirchen der Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde, wobei die Nathanael-Kirche aus der Zeit des Historismus stammt und die Philippus-Kirche ein Bauwerk der Nachkriegsmoderne ist. Die Philippus-Kirche entstand 1959–62 nach Plänen des Berliner Architekten Hansrudolf Plarre, seinerzeit des zweiten Preisträgers beim Wettbewerb um den Neubau der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Sie erhebt sich über einem sechseckigen Grundriss mit leicht ausgestellten Längswänden, der in kirchlicher Tradition nach Osten ausgerichtet ist. Von den zwei Stirnwänden ist jene zum Gemeindehaus klar verglast, die andere – östliche - Altarwand, von Florian Breuer großflächig in leuchtend blauen und grünen Farben gestaltet.

Wie in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist auch diese zu etwa 60% in Licht aufgelöste und durch die blau-grüne Farbglasfläche dynamisierte Stirnwand gleichsam „selbst- leuchtend“.

Der Raumeindruck der Philippus-Kirche wird also wesentlich von dieser Farbverglasung geprägt, die den um zwei Stufen erhöhten Altarraum hinterfängt. Der Altar ist flankiert von Kanzel und Taufbecken. Auch ein Detail wie die geschlossene, in der Mitte geknickte Bankreihe ist ohne Vergleich und nimmt die Besonderheit des Grundrisses auf. Bemerkenswert ist auch das Kreuz von Waldemar Otto, das anfangs recht kontrovers diskutiert wurde. Die Licht- und Schattenwirkung erinnert an Golgatha!

Das klarglasige Fenster auf der Westseite erhellt das als Begegnungsraum dienende Foyer.

An den Kirchenraum - mit der Schuke-Orgel auf der frei in den Raum gestellten Empore - schließen sich auf der Nordseite der Seminarraum und auf der Südseite eine Folge kleinerer Räume an.

Das an ein Zelt erinnernde Kirchengebäude fügt sich in die Formensprache nachkriegsmoderner Kirchen ein: „Zelt, Schiff und Wohnung“ ist der Titel einer Habilitationsschrift über Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne (Kerstin Wittmann- Englert, 2006).

Und in der Beschreibung des wohl prägnantesten Beispiels eines bildhaften christlichen Kirchengebäudes, Le Corbusiers Wallfahrtskapelle Notre Dame du Haut (1950-55) im französischen Ponchamp, schreibt Anton Henze: Arche und Schiff, Zelt und Höhle sind Quartiere des Menschen auf der Wanderschaft und Zuflucht in unbehauster, ungewisser Zeit.“

Man versucht in der Nachkriegsmoderne, mit gestalthaften Formen Christen und deren Seinsform in einer säkularen, kulturell vielfältigen Zeit zu entsprechen. Und damit bedient man sich assoziativ erfassbarer Formen, wie auch bei der Philippus-Kirche - entworfen von einem Architekten, von dem in Berlin auch die Sühne-Christi-Kirche und die Gnade-Christi-Kirche stammen.

Die Raumform der Kirche (das Schutz und Obdach verheißende Zelt), die Lichtwirkung und der sie flankierende markante Glockenträger tragen gleichermaßen zu ihrer besonderen Atmosphäre und Wirkung bei.

Klaus Wittmann

(Dieser Artikel ist aus der Sonderausgabe des Gemeindeblattes zum 50. Kirchweihjubiläum 2012)